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Volkstanz zwischen den Zeiten. Zur Kulturgeschichte des Volkstanzes in Österreich und Südtirol

Volkstanz zwischen den Zeiten. Zur Kulturgeschichte des Volkstanzes in Österreich und Südtirol

 

SU_Volkstanz_print.inddBuchpraes. VolkstanzWaltraud Froihofer

 

Die BAG Österreichischer Volkstanz hat nun ein umfassendes Werk zur Kulturgeschichte des Volkstanzes vorgelegt und damit erstmals einen Blick in die Entstehungszeit der Volkstanzkultur und ihre weitere Entwicklung geworfen. 

Das Ergebnis ist eine Publikation aus zwei Teilen:

  1. DVD: bildet die wissenschaftlich fundierte Grundlage, besteht aus 818 A4-Seiten im PDF-Format, ausdruckbar, mit vielen in den Texten eingebauten Bildern, Ton- und Filmdokumenten, die am Computer angesehen / angehört werden können.
  2. Buch: 288 Seiten, vierfärbig bebildert, enthält die wissenschaftlichen Inhalte in einer redaktionell vereinfachten und gekürzten Form. Die genauen Quellenangaben zu den dargestellten Inhalten finden sich in den Originaltexten auf DVD.

Insgesamt arbeiteten 33 Autoren aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Fachrichtungen und aus der Volkstanzpraxis mit. Dadurch ergibt sich eine ungemein breite Streuung an Themen und Zugangsweisen, die sich in den 41 Aufsätzen widerspiegelt. Die sehr aufwendige Art der Aufmachung und die Breite an Informationen macht die Publikation für den gesamten deutschsprachigen Raum einzigartig.

 

 

Inhalt:

 

Chronologisch setzt die Publikation bereits in einer Zeit vor dem Entstehen einer bewussten Volkstanzpflege an. Die Wahrnehmung war in der Obrigkeit damals vor allem begleitet von der Sorge um Sittlichkeit, Zucht und Ordnung und von der Angst vor Exzessen in den Unterschichten. Das „tanzende Volk“ war suspekt und wurde ständig mit Vorschriften von Oben korrigiert.

 

Breiter Raum wird der Entstehung der Volkstanzkultur gewidmet, die in den 1920/30er Jahren rund um Raimund Zoder und die Bemühungen offizieller Volksbildungsinstitutionen in Österreich angesetzt werden kann. Die Auswirkungen politischer Systeme auf die Ausbildung der Volkstanzkultur wird erstmals ausführlich dargestellt. Auch die Entwicklung speziell für Südtirol ist herausgearbeitet, wo auf Grund der politischen Situation im 20. Jahrhundert andere Voraussetzungen herrschten. Speziell geht es auch um die Fragen, was in die Tradition übernommen wurde und wie man dabei vorging, welche Maßnahmen die Pflege umsetzte und warum. Die Pfleger und Multiplikatoren der Anfangsjahre waren nicht absichtslos, sondern hatten bestimmte volksbildnerische Ziele (z.B. moralisierende Ziele); diese wurden nun erstmals herausgearbeitet.

 

Die Rolle des Volkstanzes in der NS-Zeit wird ebenso behandelt, wie die Folgen für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Warum waren Forscher und Multiplikatoren dieselben geblieben? Es gab für die nächsten Jahrzehnte kaum Änderungen in den Sichtweisen auf Volkstanz. Warum und was hat das bewirkt?

 

In verschiedenen Aufsätzen wird die Rolle von Tanz bei Minderheiten, Migranten, in der Jugendkultur, im Vereinswesen und auch bei Randgruppen aufgearbeitet.

Es wird einem Aufsatz die Frage erörtert, wie Volkstanz dazu beiträgt, Geschlechterrollen einzuüben und zu bestärken.

Es geht weiter um die Fragen, wie beeinflussen sich Volksmusik und Volkstanz gegenseitig? Was spielt sich zwischen Musikanten und Tänzern ab? Was macht eine erfolgreiche Tanzmusik aus?

Es geht als Thema um die historische Entwicklung von Kinder- und Jugendtanz und um moderne Ansätze in diesen Bereichen, wie z.B. Volkstanz als Förderinstrument in der Sonder- und Heilpädagogik (Behindertenarbeit).

Ebenfalls neu ist eine Übersicht über die Volkstanzarchive und -sammlungen in Österreich, sowie die Darstellung der Biografien maßgeblicher Forscherpersönlichkeiten.

 

 

Insgesamt ist es ein sehr abgerundetes Themenspektrum, das erstmals Volkstanz in die Tiefe gehend beleuchtet, anhand von Archivmaterial, Interviews und Fachliteratur. Viele Archivunterlagen wurden überhaupt zum ersten Mal im Rahmen dieses Buches einer Analyse unterzogen.

 

 

Nutzen für die Praxis:

 

Wozu sollte man sich als Volkstanzender mit Volkstanzgeschichte beschäftigen? Wozu ist dieses Buch gut? Prägende Merkmale der gegenwärtigen Volkstanzkultur sind mit Blick auf ihre Entstehungszeit besser zu verstehen, als beim reinen ausschließlichen Blick auf die Gegenwart. 
Wenn man sich mit der Entstehungszeit der Volkstanzpflege rund um Raimund Zoder beschäftigt, dann wird ganz klar, dass die Volkstanzforschung und -pflege aus damaliger Sicht zwar aus hehren Absichten (moralisch hochstehenden) geschaffen wurde, aber – und das zeigt der Blick von heute auf diese Zeit – diese Absichten waren nicht neutral, und es ging nicht nur darum eine nette Freizeitbeschäftigung zu kreieren.

 

Was nützt dieses Wissen? Wenn man erkennt, dass die Volkstanzkultur in ihrer Anfangszeit von der Pflege gezielt so und nicht anders gemacht wurde, um ganz konkrete Interessen zu bedienen, dann verliert sie ihre Unumstößlichkeit. D.h. man kann verändern ohne die Veränderung als „Zerstörung“ sehen zu müssen, sondern eben als eine Form der Entwicklung, der kreativen Auseinandersetzung. Man kann erkennen, dass die Gegenwart wandlungsfähig ist und nicht ausschließlich aus Notwendigkeiten besteht. Vermeintliche Notwendigkeiten werden zu Möglichkeiten. Nicht zuletzt für das Ausarbeiten einer Zukunftsperspektive ist es sehr nützlich die Perspektive der Vergangenheit zu kennen.

Buchpraes. VolkstanzLandestagung 2013 ARGE-025Buchpraes. Volkstanz

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